/ November 11, 2020/ Allzu menschliches/ 0Kommentare

Hagar und Ismael

1. Mose 16,13

Das altgriechische Wort Genesis bedeutet Ursprung und bezeichnet das 1. Buch Mose des Alten Testaments in der christlichen Bibel. Im Buch Genesis wird die Fr├╝hgeschichte der Menschheit erz├Ąhlt. Es ist das Buch der Anf├Ąnge und berichtet ├╝ber die Enstehung der Dinge, die unsere Welt ausmachen: Himmel und Erde, Licht und Finsternis, Meer und Festland, Pflanzen, Sonne, Mond und Sterne. Von den Tieren im Meer, in der Luft und auf dem Land und schlie├člich von den Anf├Ąngen der Menschheit. In den Erz├Ąhlungen erfahren wir etwas ├╝ber die Beziehung der Menschen zu Gott und ├╝ber die oftmals problematischen Beziehungen der Menschen untereinander.

Es menschelt und wimmelt von Beziehungsproblemen im gesamten Alten Testament, wie auch in der Geschichte der ├Ągyptischen Magd Hagar und ihrem Sohn Ismael, den sie von Abram, dem Mann Sarai┬┤s empf├Ąngt.

Sarai leidet sehr unter ihrer Kinderlosigkeit. In ihrer Ungeduld benutzt sie ihre Dienerin Hagar (Fremde) als Leihmutter und bittet ihren Mann Abram, Hagar als Nebenfrau zu schw├Ąngern. Der Plan geht auf und Hagar wird schwanger. Doch das zieht neue Probleme nach sich, denn die Schwangere Dienerin wird ihrer Herrin gegen├╝ber hochm├╝tig. Diese f├╝hlt sich dadurch gedem├╝tigt, beklagt sich bei ihrem Mann und behandelt Hagar als ihre Sklavin so schlecht, dass diese in die W├╝ste flieht. Dort an einer Wasserstelle zeigt sich ihr ein Engel und gibt ihr Anweisungen und Orientierung in ihrer Not. Der Engel sagt zu Hagar: ÔÇ×Geh zu deiner Herrin zur├╝ck und ordne dich ihr unter! Du wirst einen Sohn bekommen, den du Ismael (Gott h├Ârt) nennen sollst, denn der Herr hat geh├Ârt, wie du gelitten hast.ÔÇť

Hagar bekommt durch diese Begegnung neuen Mut und ruft: ÔÇ×Ich bin tats├Ąchlich dem begegnet, der mich sieht! Du bist ein Gott, der mich sieht.ÔÇť Zuversichtlich geht sie wieder zur├╝ck, denn sie wei├č das der Herr, der ├╝ber ihrer Herrin und ├╝ber allen Herrschern steht bei ihr ist und einen guten Plan f├╝r sie und das Kind in ihr hat.

In den nachfolgenden Kapiteln offenbart sich dieser Plan. Sarai, die sp├Ąter Sara (F├╝rstin) genannt wird bekommt im hohen Alter doch noch ein Kind. Ihre Freude dar├╝ber ist so gro├č, dass sie ihn Isaak nennt (Er hat mich lachen lassen). Durch Isaaks Geburt will Sara von Ismael nun nichts mehr wissen und will auch nicht, dass sich die Halbbr├╝der das Erbe teilen m├╝ssen. Hagar und Ismael werden in die W├╝ste geschickt. Dort k├╝mmert sich wieder ein Engel um Mutter und Sohn. Aber was ist mit Abram, der Vater der beiden Jungen? Auch ihn hat Gott im Blick. Er erh├Ąlt den Namen Abraham (Vater der vielen V├Âlker), denn zusammen mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob geh├Ârt er zu den Erzv├Ątern, aus denen die Zw├Âlf St├Ąmme des Volkes Israel hervorgingen. Abraham gilt aber auch als Stammvater der Araber, denn sein Sohn Ismael wurde ebenfalls zu einer gro├čen Nation und soll ein Vorfahre des islamischen Propheten Mohammed sein. Das h├Ątte Hagar wohl nicht gedacht. Und auch Sara hatte keine Ahnung, welche bedeutende Rolle sie als Stammmutter zahlreicher V├Âlker in der Menschheitsgeschichte innehat.

Was Gott sieht, k├Ânnen wir in unserer Begrenztheit nicht ├╝berblicken. Wie Ameisen in unserem Haufen, sehen wir nur das, was sich uns direkt vor Augen zeigt. Wir sind nicht in der Lage mehr als den gegenw├Ąrtigen Moment zu sehen. Doch Gott sieht mehr. Er kennt unsere Rolle in seiner Geschichte. Er sieht ├╝ber den Ameisenhaufen hinaus. Er sieht worauf wir uns zu bewegen und was uns in unserem Herzen bewegt. Gott ist kein Freund auf Facebook, kein Abonnent auf Instagram, kein Follower auf Twitter, der nur das sehen kann, was wir von uns zeigen wollen. Er kennt uns besser als wir uns selbst kennen und liebt uns trotzdem oder gerade deshalb. Auch ohne likes sind wir f├╝r ihn Fame, denn er ist ein Gott, der uns wirklich sieht.

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